(Kopie von: http://www.uni-mainz.de/%7Edunin/Batterie.html)
Infos über Batterien
Zuerst mal technisches zum Aufbau eines Bleiakkus:
Positive Platte:
-
wirksame Masse Bleidioxid PbO2 wird auf elektrochemischem Wege
(Formation, anodische Reaktion) aus Blei, Bleiglätte (PbO) und
Mennige (Pb3O4) hergestellt. Bleidioxid hat eine
schwarzbraune Farbe.
-
Aufbau der Platte als Großoberflächen-, Panzer- oder Gitterplatte.
Bei Starterbatterien meist als Gitterplatte. Dazu wird ein Gitter aus Hartblei
(Blei-Antimon-Legierung) mit einer Paste aus Bleioxiden bestrichen und
diese durch Formation in PbO2 gewandelt.
Negative Platte:
-
wirksame Masse ist fein verteiltes schwammiges Blei. Das Schwammblei entsteht
durch katodische Reaktion von Bleiverbindungen.
-
Aufbau als Kastenplatte oder Gitterplatte.
Separation:
Um Kurzschlüsse zu verhindern werden die Platten mit mikroporösen
Scheidern getrennt. Üblich sind gerippte oder gewellte Gummi- oder
Kunststoffscheider. Bei Starterbatterien ist die Einfachseparation üblich.
Elektrolyt:
Als Elektrolyt wird verdünnte Schwefelsäure (H2SO4)
verwendet. Reines Blei wird von starker Schwefelsäure rein chemisch
in Bleisulfat verwandelt, von schwacher jedoch nicht. Die rein chemische
Reaktion beginnt bei einer Säuredichte von 1.3 bis 1.35. Bleidioxid
wird weder von schwacher, noch von starker Schwefelsäure angegriffen,
nur von konzentrierter.
Ruhespannung der Zellen:
Die Ruhespannung hängt von der Dichte der Säure ab. Als Faustregel
gilt: Die Ruhespannung ist die Dichte der Säure + 0.84 Volt. Bei einer
Säuredichte von 1.26 liefert die Zelle also 1.26 + 0.84 = 2.1 Volt.
Eine voll geladene 12 V-Batterie hat also eine Ruhespannung von 12.6 V.
Eine leere Batterie hat eine Säuredichte von ca. 1.1 und liefert etwa
eine Ruhespannung von 11.8 V (hier stimmt es nicht ganz mit der Faustformel
überein).
Chemische Umwandlungen beim Entladen:
-
Positive Platte: PbO2 + H2SO4 + 2 H +
2 e ==> PbSO4 + 2 H2O
Bleidioxid und Schwefelsäure werden also unter Aufnahme
von 2 Elektronen in Bleisulfat und Wasser verwandelt.
-
Negative Platte: Pb + SO4 ==> PbSO4 + 2 e
Das Schwammblei wird unter Aufnahme von Säure in Bleisulfat
gewandelt und gibt zwei Elektronen ab.
Chemische Umwandlungen beim Laden:
Beim Laden werden die Vorgänge umgedreht: also
-
positive Platte: PbSO4 + 2 H2O + SO4 ==>
PbO2 + 2 H2SO4 + 2 e
-
negative Platte: PbSO4 + 2 H + 2 e ==> H2SO4
+ Pb
Physikalische Vorgänge bei Laden und Entladen:
Die wirksame Masse der Platten besteht aus einzelnen, miteinander verketteten
Körnchen, zwischen denen sich Hohlräume (Poren) befinden. In
der negativen Platte sind auch inerte Partikel eingelagert, die die Schwammbleikörnchen
voneinander trennen. Nur die Säure, die sich in diesen Poren befindet
trägt zur elektrochemischen Umwandlung bei. Sie wird als innere
Säure bezeichnet. Der Dichteausgleich zwischen innerer und äußerer
Säure geschieht durch Diffusion.
Sowohl an der positiven, als auch an der negativen Platte entsteht
Bleisulfat. Da Bleisulfat ein Isolator ist, kann nicht die gesamte wirksame
Masse ungewandelt werden. Bleisulfat hat zudem ca. das eineinhalbfache
Volumen von Bleidioxid und das dreifache des Bleischwamms! Daher
setzen sich die Poren bei der Entladung zu und behinderen den Säureausgleich.
Bei Tiefentladung kann der Volumenzuwachs sogar so groß werden, daß
sich die Platten krümmen und zerbröseln oder sie Separation beschädigen
=> Exitus der Batterie!
Kapazität:
Wird in Amperestunden (Ah) gemessen und gibt die Ladung an, die ein
Akku bei Entladung mit konstantem Strom bis zum Erreichen einer vorgegebenen
Spannung (Entladeschlußspannung) in bestimmter Zeit abgeben kann.
Die Kapazität ist nicht konstant! sondern vor allem
von der Höhe des Stroms abhängig. So ist die Kapazität ca
doppelt so hoch, wenn statt mit einstündigem Strom mit 20-stündigem
entladen wird. Angegeben wird immer eine Nennkapazität bei vorgeschriebenen
Randbedingungen (üblicherweise 20°C, 10-stündiger Strom).
Die geringere Kapazität bei hohen Strömen beruht hauptsächlich
auf dem Konzentrationsgefälle zwischen innerer und außerer Säure.
So ist die Kapazität auch bei niedrigen Temperaturen geringer, da
die Viskosität der Säure ansteigt und die Diffusion behindert.
Lade- und Entladevorgänge:
Bei der Entladung sinkt die Zellenspannung und zwar zuerst stark, dann
erholt sie sich wieder ein bischen. Dieser Spannungssack entsteht durch
das Konzentrationsgefälle zwischen innerer und äußerer
Säure. Wird die Entladung unterbrochen, so erholt sich die Spannung
wieder, da der Diffusionsprozess ja weiter läuft. Beim Entladen mit
hohem Strom kann die Dichte der inneren Säure auf 1 anfallen, d.h.
es ist nur noch Wasser im inneren der Platten, die weitere Umwandlung findet
daher nur an den Oberflächen der Platten statt und bildet eine Sulfatschicht.
Daher den Starter niemals zu lange laufen lassen, sondern Pausen machen.
In vielen Fällen tritt auch beim Laden zu Beginn ein Spannungsberg
auf. Seine Ursache ist jedoch eine vorübergehende Erhöhung des
ohmschen Widerstands, hervorgerufen durch die schlecht leitende harte Sulfatschicht
auf der Oberfläche der positiven Platte. Beim Laden mit großen
Stromstärken (Schnelladung, Starthilfe) kann hierbei sogar die Gasungsspannung
überschritten werden. Die Gasungsspannung liegt bei ca. 2.35-2.4 V.
Bis zu dieser Spannung wird der Strom praktisch verlustlos für die
Umwandlung von Bleisulfat in Blei bzw. Bleidioxid umgesetzt. Erst mit Beginn
der Gasentwicklung wird ein Teil des Stroms für die Wasserzersetzung
verbraucht. Bei Unterbrechung/Beendung des Ladevorgangs fällt die
Spannung sofort auf ca. 2.2V ab und von da ab langsam auf den Wert: -Dichte
der Säure +0.84-. Da die innere Säuredichte bei Laden immer höher
ist, kann bei zu schnellem Laden die Dichte einen Wert erreichen, der den
Bleischwamm der negativen Platte chemisch in Bleisulfat wandelt.
Gasung
Bei einer 12 V Batterie setzt die Gasung bei ca. 14,4 V ein. Spätestens
bei dieser Spannung sollte der Regler abregeln. Bei Stationärbatterien
ist ein leichtes Gasen beim Ladevorgang erwünscht, da die aufsteigenden
Gasblasen ein Absetzen der Säure (Säureschichtung) verhindern.
Bei Fahrzeugbatterien ist das nicht nötig, da sie ja mechanisch genug
geschüttelt werden.
Einfrieren
Die Gefriertemperatur der Säure hängt von ihrer Dichte
und somit dem Ladezustand der Batterie ab. Folgende Tabelle gibt Aufschluß:
|
Ladezustand
|
Säuredichte
|
Spannung
|
Gefriertemperatur
|
|
0 %
|
1,05
|
11,80 V
|
-7,7 °C
|
|
25 %
|
1,12
|
11,90 V
|
-10,8 °C
|
|
50 %
|
1,16
|
12,10 V
|
-17,9 °C
|
|
75 %
|
1,21
|
12,36 V
|
-31,7 °C
|
|
100 %
|
1,26
|
12,60 V
|
-56,5 °C
|
Grafische Version
Tiefentladung
Die Platten haben normalerweise einen Überschuß an Masse.
Wird die Zelle zu tief entladen, so wird mehr Masse umgesetzt. Durch die
übermäßige Volumenvergrößerung wird das Gefüge
der Platten ungünstig beeinflußt. Die positiven Platten krümmen
sich und die wirksame Masse zerbröselt. Bei der negativen Platte fallen
die inerten Stoffe aus und die Platte versintert beim Laden.
Ständige Teilentladung
Wird eine Zelle ständig zu knapp geladen, so wird die wirksame
Masse nich vollständig in Blei, bzw. Bleidioxid gewandelt. Es tritt
eine Sulfatation ein, die mit einer geringeren Dichte der Säure und
einem Kapazitätsverlust verbunden ist.
Laden mit zu hohem Strom
Bis zur Gasungsspannung eher unkritisch, jedoch kann die innere Säure
eine so hohe Dichte erreichen, daß die Umwandlung von Bleisulfat
in Bleischwamm gestoppt wird und die Platte versintert. Bei Überschreiten
der Gasungsspannung reißen die Gasblasen Bleioxidteilchen von der
positiven Platte ab. Diese Teilchen fallen zu Boden und wandern zum Teil
zur negativen Platte, wo sie in Bleischwamm umgewandelt werden. Diese Oberflächenablagerungen
können Kurzschlüsse verursachen. Außerdem wird die Lebensdauer
der positiven Platte stark verringert.
Überladen mit geringem Strom
Wird die Zelle zu lange geladen, so nutzt sich wie beim Laden mit zu
hohem Strom die positive Platte stark ab und es besteht Kurzschlußgefahr
durch Ablagerungen an der negativen Platte.
Aber wie macht man's nun richtig:
-
Laden mit konstanter Spannung über einen festen Widerstand - ist ok,
aber nach erreichen der Gasungsspannung sollten Pausen eingelegt werden
(Pöhlerschalter).
-
Strom- und spannungsbegrenztes Laden mit 2.4V / Zelle (14.4 V) ist optimal
für schnelles, akkuschonendes Laden. Eine Schaltung dazu gibt's auf
Phil
Herzogs Schrauberseite.
-
Elektronische Pulslader laden mit einem kurzen Puls und hohem Strom. Danach
wird die Batterie kurzzeitig mit geringem Strom entladen, so daß
sich nach dem Ladepuls innere und äußere Säure ausgleichen
können. Nach dem Puls ist der Dichtegradient recht hoch, so daß
der Diffusionsprozeß schneller abläuft. Zusätzlich beseitigt
ein solches Laden eventuelle Oberflächensulfatisation der Platten.
Die isolierende Sulfatschicht auf den Platten wird beim Gleichstromladen
nicht vollständig wieder in Blei bzw. Bleidioxid umgesetzt. Der kapazitive
Widerstand bewirkt aber beim Wechselstrom des Pulsladers, daß durch
die Schicht Strom fließen kann und auch hier ein Ladevorgang stattfindet.
-
Dauerladen - sollte mit einer Spannung erfolgen, die 0.1 V über der
Ruhespannung der Zellen liegt (also ca. 13,2V bei einer Moppedbatterie).
-
Nachladen - mit niedrigem Strom, wobei noch Ruhepausen eingelegt werden
sollten.
-
Ausgleichsladen - dient zur Auffrischung des Akkus und soll die Platten
regenerieren: Entladen mit niedrigem Strom (<20 stündigem) mit
Ruhepausen und bis ca. 80% der Nennkapazität entnommen sind. Danach
mit <20 stündigem Strom aufladen, ebenfalls mit Pausen.
-
Beseitigung der Sulfation - für ganz schwere Fälle: Um den Ausgleich
zwischen innerer und äußerer Säure zu erleichtern senkt
man die Dichte ab. Man saugt einen Teil der Säure ab und ersetzt ihn
durch Wasser. Danach lädt man die Zellen mit geringem Strom auf (Pausen!)
und führt danach ein (oder mehrere) Ausgleichsladen durch. Nach der
letzten Volladung (und einer Wartezeit) ersetzt man die Säure.
Tips für den Gebrauch von Akkus:
-
Niemals Tiefentladen (also nie unter 11.8 V noch versuchen Strom
zu entnehmen)
-
Schnelladen sollte man möglichst vermeiden. Wenn es aber unbedingt
nötig ist, dann nur bis zu Gasungsspannung (ca. 14.4 V), z.B. bei
Starthilfe mit einer Dose mit der Ruhespannung der Geberbatterie (Motor
des Geberfahrzeugs läuft nicht, damit der Spannungsberg am Anfang
der Ladung nicht ganz so groß wird). Vorrausgesetzt natürlich,
daß die Geberbatterie einen entsprechenden Kapazitätsüberschuß
hat. Bei sehr schlapper Moppedbatterie kann es sogar besser sein in mehreren
kurzen Intervallen die Kabel abschließen bis die Batterie eine Teilladung
erreicht hat. Erst dann die Kabel anschließen (auf guten Kontakt
achten) und starten.
-
möglichst immer voll lagern
-
Säure nur bei Lecks nachfüllen, sonst nur destilliertes Wasser
-
Säuredichte nach dem Laden und einer angemessenen Diffusionszeit messen
(sollte 1.26 sein, bzw. 12.6 V Ruhespannung)
-
Bei längeren Standzeiten:
-
Erhaltungsladen (Dauerladen) mit konstanter Spannung von Ruhespannung
+ 0.1 V / Zelle (also 13.2 V)
-
oder mit niedrigem Strom bis zur Entladeschlußspannung (11.8
V, ja nicht länger) entladen und mit geringem Strom wieder aufladen.
Dabei evtl. auch Pausen einlegen.
-
Neue Batterien sollten erst noch mal geladen werden. Nach dem Einfüllen
der Säure bringt sie nur etwa 70% ihrer Kapazität auf. Das liegt
vor allem daran, daß die Säure nur sehr langsam in den Bleischwamm
vordringt. Das Laden erleichtert den Diffusionsvorgang. Das merkt man auch
daran, daß nach dem Laden der Säurestand etwas gefallen ist.
In diesem Fall muß der Pegel mit Säure (nicht mit Wasser) wieder
auf Maximum gebracht werden. Wird eine neue Batterie gleich nach dem Füllen
belastet (z.B. durch den Starter) bildet sich hauptsächlich auf den
Plattenoberflächen Bleisulfat, das die Kapazität noch weiter
einschränkt. Die volle Kapazität erreicht man dann nur noch durch
aufwendiges Ausgleichsladen.
-
Bei schlapper Batterie:
-
Wegschmeißen, neue kaufen, ODER
-
Desulfatisieren, d.h.
-
Säuredichte reduzieren (Säure teilweise absaugen, mit
dest. Wasser auffüllen)
-
mit sehr niedrigem Strom und vielen Pausen entladen
-
mit sehr niedrigem Strom und vielen Pausen laden
-
Entlade- /Ladevorgänge evtl. wiederholen, bis Nennkapazität
erreicht ist.
-
Nach der letzten Volladung die Säure ersetzen
Literatur
W. Garten "Bleiakkumulatoren", Varta Batterie AG, Hannover
1974, ISBN 3-18-41 9035-8
Varta Homepage
Yuasa Homepage
Yuasa Material
Safety Data Sheet for Lead Acid Battery Products
Zurück zur Startseite
'97 MDvP, HTML Version
23.9.98 , Update 25.3.99