Ich moechte eine gebrauchte Emme kaufen. Was sollte ich dabei beachten? Diese Check-Liste zum Gebrauchtkauf einer Emme war speziell auf eine ETZ 250 gemuenzt, gilt aber fast genauso fuer andere Modelle. (Erklaerung einiger Begriffe im Anhang weiter unten.) 1.) Pruefen ob die Vordegabel ohne zu klemmen und ohne unangenehme Geraeusche zu machen einfedert, dazu Motorrad abbocken und mehrmals bei gezogener Handbremse kraeftig nach vorne schieben. 2.) Beim Aufbocken danach ein Brettchen unterlegen, damit das Vorderrad auf alle Faelle frei dreht, jetzt mal an der Telegabel unten wackeln (vor und zurueck bewegen). Dabei duerfen sich weder die Gleitrohre nennenswert relativ zu den Standrohren bewegen lassen, noch darf Spiel im Lenkkopflager vorhanden sein (Finger an die Unterseite des Lenk- kopfes und des Rahmens waehrend des Wackelns legen, man spuert das dann ganz genau). Bei der Pruefung sollte der Lenker in Geradeausrichtung stehen. 3.) Pruefen, ob sich der Lenker ohne Raststellen gleichmaessig von links nach rechts einschlagen laesst, ansonsten muessen die Lenkkopflager ge- wechselt werden. 4.) Bei der Probefahrt darf die Maschine nicht nach einer Seite ziehen und der Lenker muss im rechten Winkel zur Fahrtrichtung bei Geradeauslauf stehen. Ist das nicht der Fall besteht die Gefahr, dass die Gabel oder der Lenkkopf verzogen ist. Eventuell mal vorsichtig den Lenker waehrend der Probefahrt loslassen (bei bis zu ca. 60 km/h) - da darf nichts wackeln. 5.) Ist der Lenkeranschlag noch vorhanden oder abgebrochen? 6.) Ist das Steckschloss fuer den Lenker funktionstuechtig? 7.) Bremsbelagdicke der Scheibenbremse und Zustand der Bremsscheibe pruefen. Die Belaege sollten wenigstens noch 3mm Belag aufweisen und die Scheibe keine tiefen Riefen aufweisen. Vorsicht bei "Originalen": Asbest im Bremsstaub! 8.) Pruefen ob der Hauptbremszylinder dicht ist. Oft tritt nach wenigen Betaetigungen der Bremse bereits Bremsfluessigkeit aus, die dann den Bremsgriff entlang fliesst (oder am anderen Ende des Bremssystems...). 9.) Die Bremsfluessigkeit im Vorratsbehaelter begutachten. Wenn diese eine dunkle Verfaerbung aufweisst, sollte man sie wechseln. Das Gewinde des VorratsbehŠlters sollte intakt sein, ebenso wie der "Sack" drinnen. Nur "handfest" anziehen! BremsflŸssigkeit ist giftig! 10.) Bei der Probefahrt oder im Stand auf das Verhalten des Motors achten. Wenn dieser nach dem Gasgeben recht lange braucht, bis er wieder auf Leerlaufdrehzahl kommt, zieht er irgendwo Nebenluft. 11.) Wenn es geht, den rechten Motorgehaeusedeckel demontieren und nach dem Ritzel und der Kette gucken. Haeufig hat das Ritzel schon Haifischzaehne, die einseitig schraeg angelaufen sind oder aber die Kette ist in Aufloesung begriffen und hat schon etliche Roellchen zersaegt. Dazu im Leerlauf das Hinterrad solange durchdrehen, bis die Kette einmal rum ist. Wenn das vordere Ritzel schon stark abgenutzt ist oder sehr viele Glieder der Kette defekt sind, besteht auch die Gefahr, dass auch das hintere Antriebsrad schon recht stark verschlissen ist. 12.) Pruefe ob sich Getriebeoel im Bereich des Ritzelgehaeuses befindet. Wenn ja, besteht die Gefahr, dass der Simmering der Getriebeausgangswelle undicht ist. Dieses deutet dann in aller Regel auf ein defektes Getriebeausgangs-Kugellager hin. 13.) Pruefen, ob die Kette ordnungsgemaess gespannt ist. Dabei muss sich die Kette samt Schlauch einigermassen leicht mit zwei Fingern bis auf das Schwingen-Querrohr herunterdruecken lassen. 14.) Schau Dir die Verkabelung, den Zustand der Sicherungen und den Akkumulator im Batteriekasten an. Die Verkabelung sieht zwar auch original recht wild aus, die Kabel sollten aber alle moeglichst gut mit ihren Steckschuhen verbunden sein, nicht geflickt und die Sicherungen und ihre Halter sollten nicht uebermaessig stark verrostet oder gar defekt sein. Der Akkumulator sollte keine sichtbaren Ablagerungen oder gar verbogene Platten im Inneren aufweisen. 15.) Ist die Profiltiefe der Reifen (1,5mm) noch ausreichend? Wie alt sind die Reifen (Einerstelle des Produktionsjahr ist die letzte der drei Ziffern auf der Reifenflanke)? Alte Reifen fahren sich schlecht und haben oft schon Risse im Gummi bis hinunter zur Karkasse. 16.) Wie sieht der Tank von innen aus? Ist er stark verrostet? Dabei eventuell bei geschlossenem Benzinhahn den Wassersack abschrauben. Dort sammelt sich dann naemlich der gesamte Rost und Dreck aus dem Tank. 17.) Die Hinterradschwinge sollte natuerlich auch fest am Rahmen sein und nicht wackeln. 18.) Die Raeder duerfen in den Radlagern kein Spiel haben. 19.) Die Stossdaempfer hinten und die Telegabel vorne sollten dicht sein und kein Oel herausdruecken, auch nach der Probefahrt nicht. 20.) Die Federbeinverstellung der hinteren Federbeine ist oft sehr schwergaengig. 21.) Trennt die Kupplung bei gezogenem Kupplungshebel richtig und lassen sich dann die Gaenge leicht schalten? Insbesondere muss sich der Leerlauf bei gezogener Kupplung leicht einlegen lassen. 22.) Rutscht die Kupplung bei Belastung auch nicht durch? 23.) Ist die Sitzbank eventuell schon sehr stark durchgesessen und muesste neu gepolstert werden? Ist der Sitzbezug noch in Ordnung? Ist ein evenueller neuer Sitzbankbezug genaeht oder geschweisst? Die genaehten taugen naemlich nicht die Bohne. Bei jedem Regen saugt sich dann die Polsterung voll Wasser. Nach der Fahrt sieht man dann aus, als leide man an Inkontinenz. ;-) 24.) Sind die Bowdenzuege leichtgaenging? 25.) Funktionieren Beleuchtung, Blinker und Bremslicht? 26.) Spuehrt man beim Antreten des Motors einen ordentlichen Wiederstand? Ansonsten ist die Kompression eventuell dahin und es muss ein neuer Kolben her und der Zylinder muss geschliffen werden. 27.) Ist der Schwingenbolzen gaengig? Laesst sich der Schwingenbolzen auf der rechten Seite mit einem passenden Schluessel drehen, oder sitzt er bombenfest? In diesem Fall hat man einen Haufen Arbeit vor sich, und der Rahmen ist eventuell schrottreif. 28.) Motoraufhaengung ok? Setz Dich auf die Maschine und ziehe den oberen Kettenschlauch mit aller Kraft nach oben, dabei am Tank abstuetzen und auf Deine Bandscheiben achten. Bewegt sich der Motor seitlich, dann ist womoeglich der rechte Motorschuh gebrochen, und zwar hinter den Kettenstutzen, wo man's nicht sieht. Ersatz kostet nicht die Welt (ca 50,--), aber der (s.o.) Schwingenbolzen muss raus. Wahlweise kann auch eine Motorbefestigungsschraube gerissen sein. Das ist dann richtig Arbeit und wurde hier ja schon mal diskutiert (siehe FAQ: Archiv der Mailingliste). 29.) Klemmer? Auspuff abschrauben (Auslass und unter dem Motor) und mit einer Taschenlampe in den Auslasskanal gucken, dabei den Kolben begutachten. Leichte Klemmstellen sind nicht dramatisch, aber wenn die Kolbenringe fest sind, leidet frueher oder spaeter die Kompression. Russablagerungen unterhalb der Ringzone bedeuten Kolben = Schrott. 30.) Dreh mal die Oelablass-Schraube heraus, Maschine dazu auf die Seite legen. Aber Vorsicht: nicht die Schraube fuer die Schaltarretierung erwischen! Es sollten keine Metallspaene an der magnetischen Schraube haften, die waeren dann aus dem Getriebe. Das Oel sollte nicht nach Benzin riechen, dann sind die Kurbelwellenlager hinueber. 31.) Evtl. einen Blick auf die Lima werfen - defekte Wedis koennen (!) ein Hinweis auf defekte Kurbelwellenlager sein. 32.) Der Motor sollte generell dicht sein: Kein Suff am KrŸmmer, keine feuchten Stellen dort, wo der Zylinderkopf auf dem Zylinder sitzt. 33.) Sind die Papiere o.k., stimmt die Rahmennummer mit der Eintragung im Fahrzeugbrief ueberein und ist die eingetragene Reifengroessen auf den Raedern? Wenn Du das alles geprueft hast, kannst Du sicher sein das es noch etliche weitere Schwachstellen gibt. Die Wahrschein- lichkeit aber, dass Du mit dem Motorrad erstmal fahren kannst ist dann schon recht hoch. ANHANG: * Schwinge: Das Ding, wo das Rad rangeschraubt wird und wo die Federbeine dran sitzen (unten), vorne im Rahmen befestigt (mit dem -> Schwingenbolzen). * Wedis: Abkuerzung fuer WEllenDIchtringe, auch Simmerringe genannt. Die wichtigsten dichten die Gabel und die Kurbelwelle. * Schwingenquerrohr: Schwinge besteht im Wesentlichen aus drei zusammengeschweissten Rohren, zwei laengs (da ist das Rad dran) und eins quer, das die beiden Laengsrohre zusammenhaelt und gegen Verwindung stabilisiert. Anschlagpunkt der Kette bei Pruefung der Kettenspannung (Hat nix mit Strom zu tun:-) * Hinterradschwinge: = Schwinge. Wenn Du eine ES hast, gibt's am Vorderrad auch eine Schwinge anstatt einer Gabel. * Schwingenbolzen: befestigt die Schwinge drehbar gelagert im Rahmen. Befestigungspunkt der Hauptstaenderfeder. Sollte drehbar sein (mit Schluessel), koennte ansonsten im Rahmen festgerostet sein. * Motorschuh: Halteblech, wo der Motor unten angeschraubt ist. Kann brechen. Zum Ausbauen muss die Schwinge und der Schwingenbolzen raus. * Kettenstutzen: Die Oeffnung im Motor, wo die Kette rauskommt und wo die Kettenschlaeuche drauf sitzen.