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International Conference 2011

Uranium, Mining and Hydrogeology VI




Zusammenfassung UMH II

Zum zweiten mal trafen sich in Freiberg Wissenschaftler und Ingenieure in Freiberg, um über das Thema "Uranbergbau und Hydrogeologie" zu diskutieren. Wie bereits 1995 hatte der Lehrstuhl von Prof. Broder Merkel zu dieser internationalen Konferenz eingeladen, die unter der Schirmherrschaft von Staatsminister Vaatz stand. Mitveranstalter waren (siehe Programm). Dank der finanziellen Unterstützung durch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landesentwicklung konnten international anerkannte Experten aus USA, Canada, Australien, Belgien, Frankreich, England, Rußland und der Ukraine eingeladen werden.

Prof. Merkel machte in seiner Begrüßungsrede deutlich, daß dem Grundwasser in der Öffentlichkeit viel weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird im Vergleich zu oberirdischen Gewässern, obwohl Flüsse und Seen nur einen Bruchteil des Süßwasservorates unserer Erde ausmachen und wesentlich leichter zu regenerieren sind als Grundwasser. Bei der Diskussion über die Gefahren der Kernenergie werden die Gefahren, die vom Uranbergbau und seinen Hinterlassenschaften ausgehen häufig völlig vergessen. Dabei sind duie Gefahren, die vom Uranbergbau ausgehen, wesentlich konkreter als Strahlenbelastungen von Kastorbehältern und der Endlagerung von radioaktiven Abfällen.

250 Teilnehmer aus 25 Ländern hörten über 60 Vorträge und diskutierten über 40 Poster. In drei abschließenden Workshops wurden Statements zu den Themen "natürliche Sanierungsmethoden", "Überwachungsprogramme" , "Modellierung des reaktiven Stofftransportes" erarbeitet.

Deutlich wurde auf der Konferenz, daß sich die Folgen des Uranbergbaus auch noch in hunderten von Jahren auf die mittelbare Umgebung von Altstandorten bemerkbar machen werden. Nachhaltige Sanierungen müssen auf diese Zeiträume ausgelegt sein. Ein besonderes Problem stellen die vielen kleinen Bergwerke, Halden und Absetzbecken dar, die zu Beginn der 60 Jahre von der damaligen Wismut SDAG aufgegeben wurden und meistens in den Besitz der Gemeinden oder der Forstwirtschaft übergegangen sind, weil diese Standorte nicht von der jetzigen Wismut GmbH saniert werden. Für die Sanierung dieser Altlasten stehen keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Ebensowenig wie für Altlasten des Altbergbaus, der auch erhebliche radioaktive Belastungen aufweisen kann, da die Pechblende von den Altvorderen oft als nicht nutzbares Erz auf Halden abgelagert wurde.

Insbesondere für diese kleinen Standorte wird an der Entwicklung von natürlichen Sanierungsverfahren gearbeitet, die kostengünstig sind und keine Betriebskosten verursachen. In den USA und England wurden bereits gute Erfahrungen mit sogenannten wetlands gemacht. Die Fixierung des Urans und der Radionuklide beruht darauf, daß unter den Verhältnissen wie sie in einem Moor herrschen, Mikroorganismen Sauerstoff verbrauchen und damit reduzierende Verhältnisse schaffen, die zu einer nachhaltigen Fixierung der Schadstoffe führen.

Unstrittig ist, daß organische Komponenten einen erheblichen Einfluß auf das Ausbreitungsverhalten von Uran und seinen radioaktiven Folgeprodukten haben. Dabei kann die organische Substanz Uran und Töchter des Urans sowohl fixieren als auch mobilisieren. Die Konsequenzen, die sich aus dem Ablagern von Haus- und Industriemüll auf Halden und Absetzanlagen des Uransbergbaus langfristig ergeben, sind noch weitgehend unbekannt und erfordern weitere Untersuchungen.

Ferner wurde klar, daß Uran selbst weniger wegen seiner Radioaktivität sondern seiner chemischen Toxizität im Wasser nur in geringen Konzentrationen vorkommen sollte. Zur Zeit wird international und auch in Deutschland ein Grenzwert von 0,02 bis 0,002 mg/l für Uran diskutiert. Die derzeitige Empfehlung der deutschen Strahlenschutz Kommission liegt hingegen bei 0,3 mg/l und berücksichtigt die Ökotoxikologie in keiner Weise.

Für die Überwachung der Altlasten des Uranbergbaus müssen geeignete Überwachungssysteme etabliert werden, die gewährleisten, daß auch in hundert Jahren mögliche Veränderungen von Schadstoffausträgen rechtzeitig erkannt werden, um geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Die Sanierungsarbeiten der Wismut GmbH an den großen Standorten wie Schlema, Crossen und Ronneburg verlaufen weitgehend planmäßig. Durch eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Antragsteller und den Genehmigungsbehörden konnten die meisten Genehmigungsbescheide zügig ausgestellt werden. Das Laugungsbergwerk Königstein soll möglichst schnell bis auf ein Niveau von 140 über NN geflutet werden. Eine Beeinträchtigung der für die Trinkwassergewinnung genutzten Grundwasserleiter ist dabei ausgeschlossen. Aus dem zur Zeit laufenden zweiten Flutungsexperiment werden sich weitere Optimierungen für die Restflutung ableiten lassen.

Neu entwickelte numerische Modelle, die in der Lage sind, die Grundwasserströmung und gleichzeitig verschiedenste chemische Reaktionen im Wasser und mit dem Gestein zu simulieren, gestatten einen Vergleich von Sanierungsvarianten. Ein solches Modell wurde am Lehrstuhl für Hydrogeologie der TU Bergakademie Freiberg entwickelt und für verschiedene Aufgaben bereits eingesetzt.




© A. Berger <umh@geo.tu-freiberg.de>, 17.05.2010, http://www.geo.tu-freiberg.de/umh/UMHII_Zusammenfassung.htm