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Homepage TU BAF Geologie erleben: Himalaja-Tibet-Pamir



Himalaja-Tibet-Pamir: Als Geowissenschaftler am Dach der Welt

Globe Topography Das Eindringen des indischen in den asiatischen Kontinent ist verantwortlich für das höchste Gebirge der Erde, den Himalaja, das höchste und ausgedehnteste Plateau der Erde, das Tibetplateau, mit einer mittleren Höhe von 4800 m, eines der größten Tiefländer der Erde, das Tarimbecken, den tiefsten See der Erde, den Baikalsee, und einige kurzlebige ozeanische Becken, wie das Südchina-Meer.

Was heißt ”eindringen”? Der oberer Teil der Erde ist aus dünnen, festen Platten aufgebaut, ca. 150 km dick, die auf einem flüssigen Mantel schwimmen und sich gegeneinander bewegen. Solche Platten werden an mittelozeanischen Rücken, den großen Gebirgen in der Mitte der Ozeane gebildet, und sie werden entlang den Tiefseegräben, z.B. vor Japan oder Südamerika wieder in den Mantel recycelt. Der Antriebsmotor für diese Plattenbewegungen ist das Kochtopfprinzip, d.h. die Erde will ihre überschüssige Hitze loswerden und so bilden sich wie im Wasser eines Kochtopfes im Erdmantel Konvektionszellen aus, die die Platten antreiben. Manche dieser großen Platten führen Kontinente mit sich, diese sind viel leichter als die sich immer wieder neu bildende ozeanische Platten, und können deshalb nicht wieder in den Mantel verschwinden. Wenn zwei dieser Kontinente, so wie Indien und Asien zusammenstoßen, dann bohren sie sich ineinander, solange bis sich das Plattenmuster neu organisieren und sich neue Recycling (Subduktions) Zonen auftun. Ein solche entsteht gerade südlich Indiens.

Digital Topography Geowissenschaftler sind glücklich heute zu leben. Die Indien - Asien Kollision ist spektakulär in ihren Auswirkungen. In einigen Fällen müssen wir ca. 600 Millionen Jahre zurückgehen, um ähnliche Auswirkung auf die Erde wie sie die Indien-Asien Kollision bewirkt zu finden. Warum ist nun diese Indien-Asien Kollision für uns alle bedeutend? Sie ist es, weil es das Tibetplateau enthält.

Nun warum ist dieses Tibetplateau von Bedeutung? Nur ein Beispiel: seine Entstehung hat das Weltklima entscheidend verändert und das heute dort herrschende Klima beeinflusst 2/3 der Weltbevölkerung durch den asiatischen Monsun. Das Weltklima wird vom Hadley-Zyklus bestimmt, dem Aufsteigen warmer Luft am Äquator und dem Absinken kühler und trockener Luft um 30°N und S, was die großen Wüstengebiete der Erde bedingt. Dieses Plateau, das genau auf ca. 30°N eine extreme Wärmequelle in der oberen Atmosphäre bedingt, bewirkt in ganz Asien eine dem Hadley-Zyklus entgegenwirkende Konvektionszelle und verursacht durch das Ansaugen tropisch feuchter Luft aus dem Bereich des indischen Ozeans den asiatischen Sommermonsun. Die internationale Forschung ist gerade dabei der Entstehung des Tibetplateaus noch viele andere Sachen anzuhängen: einen wesentlichen Einfluss auf die Bildung der letzten Eiszeiten, vielleicht auch eine Einfluss auf die Entwicklung der Menschheit überhaupt.

Geowissenschaflter müssen deshalb versuchen die Plateauentwicklung zu verstehen: Fragen wie

  • warum hat es sich gebildet,
  • wie schnell und wann ist es aufgestiegen,
  • wie wird es sich entwickeln,
  • was passiert überhaupt, wenn Kontinente kollidieren, warum entstehen einmal die "kleinen" Alpen und dann wieder das mächtige Tibet, sind von Bedeutung.

Um Hinweise auf den Mechanis-mus der Plateaubildung zu erhalten, untersucht eine internationale Initiative, die von Deutschland, der USA und China getragen wird und das geophysikalisch-geologische Projekt INDEPTH (International Deep Exploration of Tibet and the Himalayas) umfasst den Aufbau des lithosphärischen Mantels und der Kruste des Plateaus. Das geologische Projekt, das in Deutschland von Freiberger Geowissenschaftlern geleitet wird und die Universitäten Tübingen und Potsdam und das GeoForschungsZentrum Potsdam umfasst, konzentriert sich auf die Erar-beitung geologischer Oberflächendaten, die Hin-weise auf den Mechanismus und den Zeitverlauf der Plateauentstehung liefern.

Im Rahmen dieses Projektes haben Freiberger Studenten viele Monate in den entlegendsten Teilen des Plateaus zwischen 5000 und 6000 m gearbeitet und gelebt. Sie haben wichtige Daten erarbeitet, Proben heruntergetragen, Rekorde aufgestellt (z.B. höchste paläomagnetische Bohrlokalität der Erde), einsame Plätze der Erde durchstreift (viel mehr Leute waren auf der Antarktis als auf Teilen des Plateaus), einen Einblick in eine phantastische Landschaft erhalten, eine bedrohte Flora and Fauna beobachtet und eine untergehende Kultur erlebt.

Mehr bei den Teilnehmern (Kontakt: lothar@geo.tu-freiberg.de) und auf http://www.geo.tu-freiberg.de/tektono/. Die folgenden Bilder sind als Anregung zur wissenschaftlichen Pilgerfahrt gedacht.

Chomalhari
  Bild 1: gibt den Chomalhari einen 7000er, der im Liegendblock des aktiven Rift-Systems liegt. Gut zu sehen ist das aktive Abschiebungssystem, die die steile Morphologie des Berges ergibt. Das Photo ist aus dem Riftgraben (auf 4200 m) aufgenommen.
 
Chomalhari
  Bild 2: Diskordanz im Lhasa Block; über der Dsikoranz sind saure Vulkanite des Gangdese Blocks, nur schwach geneigt. Darunter kretazische Sedimente. Dieses klassische Bild aus dem Lhasa Block (Asien), zeigt die nur geringe Deformation in Asien, obwohl die Kruste dort 80 km dick ist. Eine der ungeklärten Probleme in Tibet ist der Mechanismus der extremen Krustenverdickung.
 
Land der Gletscher
  Bild 3: Südlichöstlich des Hauptregenschattens des Himalaya liegt das Land der Gletscher, dieses Photo zeigt wenigstens 10 unbestiegene 6000er in Osttibet.
 
Yak-Herde
  Bild 4: Das nördliche Tibet ist noch zu weit entfernt vom menschlichen Einfluss; selten kann man noch riesige Herden, mit 50-100 Tieren, sehen. Die Tiere sind scheu und wenn bedroht angriffslustig.
 
Landschaft in Tibet   Bild 5: Tibet ist vergleichsweise flach. Die Hügel, alle über 5000m hoch, sind ein Arbeitsfeld der Freiberger Geologen.
 
Gruppenfoto Zentraltibet   Bild 6: Kochen des Abendessens angesichts des Ziels des nächsten Tages.
 
Mt. Everest   Bild 7: Mt. Everest von Norden, vom Tibetplateau. Die markante Felskappe unter dem Gipfel wird durch eine großmasstäbliche Abschiebungszone gebildet.
 
Butterlampen im Jo-Khang Tempel   Bild 8: Lebende Kulturnische in Lhasa; Butterlampen im Jo-Khang Tempel.




© B. Fürst <webmaster@mail.geo.tu-freiberg.de>, 01.01.2002, http://www.geo.tu-freiberg.de/schueler/tibet/index.html