Tiefengrundwässer




Arbeitsthema: Tiefengrundwässer als Langzeit-Indikatoren für anthropogene Umwelteinflüsse

Hauptziel der Arbeit ist es, Zusammenhänge zwischen den langfristigen Änderungen der Mineral- und Thermalwassereigenschaften und den zunehmenden anthropogenen Belastungen der Umwelt aufzudecken. Durch diese Erkenntnisse sind längergültige Vorhersagen über die Entwicklung der Mineral- und Thermalwässer abzuleiten. Diese Aussagen werden durch eine Vertiefung und Erweiterung des Kenntnisstandes über tiefe Grundwässer ermöglicht.

Die Mineral- und Thermalwässer stellen aufgrund ihrer meist sehr guten Geschütztheit weitgehend unbelastete Wasservorkommen dar. Die Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) regelt die Definition der natürlichen Mineralwässer und die gesetzliche Anerkennung von Mineral- und Tafelwässern. Die nationale Rechtsprechung orientiert sich dabei an den Vorgaben der EU, deren letzte Verordnung (Richtlinie 96/70/EG) noch nicht in nationales Recht umgesetzt wurde.

Für die Untersuchung langfristiger Trends war zuerst eine Bestandsaufnahme der sächsischen Mineral- und Thermalwässer notwendig. Die Bestandsaufnahme diente dazu, diejenigen Mineral- und Thermalwässer zu finden, die eine lange Geschichte haben und deren Chemismus durch eine möglichst kontinierliche Reihe von Analysen untersucht wurde. Diese Recherchen bildeten den Grundstock für eine relationale Mineral- und Thermalwasser-Datenbank (Schema), die mit dem Microsoft-Programm "MS-Access" angelegt wurde.

Von den erfaßten sächsischen Vorkommen (203) wurden 5 Orte näher betrachtet, die den Anforderungen für eine langfristige Analysenreihe entsprachen. Diese Orte wurden als repräsentative Beispiele für sächsische Mineral- und Thermalwässer ausgewählt. Alle diese Orte weisen einen lange Tradition im Kur- und Bäderwesen auf. Die Entwicklung dieser fünf Bäder über die Zeit ist vor allem das Ergebnis des großen persönlichen Engagements der jeweiligen Besitzer und Betreiber.

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  1. Bad Brambach (Vogtland)
  2. Bad Elster (Vogtland)
  3. Warmbad bei Wolkenstein (Mittleres Erzgebirge)
  4. Bad Lausick (Übergang mittelsächsisches Bergland / Leipziger Tieflandsbucht)
  5. Dresden-Briesnitz (Dresden)

Von den 203 sächsischen Vorkommen ist der Großteil heute in Vergessenheit geraten, obwohl es auch in diesen Orten Zeiten eines prosperierenden Kurbetriebes gab. Die Mineralisation einiger Quellen wurde anthropogen mitverursacht (Bergbau, z.B. Gruben bei Scharfenberg), weshalb diese Quellen nach Abwerfen des Bergbaus ihren Mineralwasser-Charakter verloren. Andere Quellen gerieten trotz ihres Mineralwasser-Charakters wieder in Vergessenheit (z.B. Pausa-Bad Linda).

Detailliert soll im Verlauf der Arbeit geklärt werden, welche Entwicklungstrends Mineral- und Thermalwässer aufweisen und wie das zukünftige Gefährdungspotential für Mineral- und Thermalwässer längerfristig einzuschätzen ist. Die Ursachen der gefundenen Trends werden analysiert und in geogene und anthropogene Einflüsse unterschieden. Ein weiteres Ziel ist die Bewertung der Möglichkeit beziehungsweise der Größenordnung einer Pufferung anthropogener Einflüsse innerhalb der Mineral- und Thermalwassersysteme, sowie die Gewinnung neuer Erkenntnisse über die Besonderheiten tiefer Grundwasserleiter.




Methodik: hydrochemische und hydrogeologische Untersuchungen

Stichworte: Mineral-, Thermalwasser

  • Bearbeitung:
    Andreas Stumm
  • Betreuung:
    Prof. Dr. habil. B. Merkel
    (Institut für Geologie, TU Freiberg)

  • Förderung:
    Stipendium nach dem Sächsischen Hochschulerneuerungsgesetz
  • Laufzeit:
    11/93 bis 03/97



    [ Institut für Geologie | Lehrstuhl für Hydrogeologie | Graduiertenkolleg ]

    Redaktion: S. Nehiba, A. Stumm und K. Flesch