DER ARALSEE

 

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    Die gesundheitlichen Folgen der Aralsee-Krise

Eine Vielzahl von Krankheiten sind die Begleiterscheinungen der Industrialisierung und Ausdehnung des Baumwollanbaus in der Region des Turanbeckens. Große Mengen ungeklärten Wassers erreichten über Jahre die Flüsse und letztendlich den Aralsee. Die Belastung rühren vor allem aus dem sorglosen Umgang mit Pestiziden, Düngemitteln und sonstigen toxischen Substanzen. Hinzu kommt der stetige Verfall des Gesundheitswesens und die mangelnde Hygiene, so daß bakteriologische (Keime aller Art) und chemische Wasserverschmutzung den wahrscheinlich größte Infektionsherd darstellt. Selbst die hierzulande ausgestorbene Pest ist neben der Cholera durch Nagetiere wieder verbreitet worden. Außerdem beinhalten die atmosphärischen Niederschläge, hervorgerufen durch die Windverwehungen des austrockneten Aralsees, derart viel Salz bzw. Schwefelsulfat, daß dies zu besonders vielen Fällen von Augen- und Lungenkrankheiten führt.

Die Folgen sind insgesamt verheerend - etwa 2/3 aller Menschen sind chronische krank. Tabelle 1 gibt einen statistischen Überblick über die Haupttodesursachen (Angaben je 100000 Einwohner):

Tabelle 1 Todesursachen 1989 pro 100000 Einwohner

  Kasachstan Region Dshambul Region Kysyl-Orda Region Tschimkent
Infektions -und Parasitenkrankheitenkrankheiten 23,8 26,5 53,8 38,2
Bösartige und gutartige Tumore 133,3 120,2 111,1 90,4
Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems 337,4 334,9 225,3 271,6
Krankheiten der Atemwege 80,4 91,1 128,8 112,4
Krankheiten des Verdauungsapparates 26,1 27,1 20,5 30,5
Unfälle, Vergiftungen 100,5 102,5 100,0 79,6
Andere 63,6 68,0 56,9 66,2
Insgesamt 765,1 770,3 696,4 688,9

Auch die Kindersterblichkeit ist sehr hoch, sie übersteigt sogar die Quoten von den meisten afrikanischen Entwicklungsländern (Abb. 3):

Abbildung 3 Die Kindersterblichkeit je 1000 Neugeborenen in Kasachstan und Usbekistan 1980 - 1990 2)

Die Anzahl der Mißbildungen an Säuglingen hat nach 1960 ebenfalls erschreckende Zahlen angenommen. Inwieweit diese Krankheiten mit dem Einsatz von Pestiziden im Zusammenhang stehen konnte noch nicht bewiesen werden - aber Kontrollen haben in teilweise 50% aller Lebensmittel Rückstände von derartigen Substanzen gefunden, in 14% der Fälle überstiegen sie die Grenzwerte der WHO!

Quelle: Létolle und Mainguet

2) Quelle: http://giserv.karelia.ru/aral/index.htm

 

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Stand: 09.10.02