DER ARALSEE

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Geologie und Entstehungsgeschichte des Aralsees

Die Entstehungsgeschichte der aralisch-kaspischen Senke geht sehr weit zurück. Das Tethys-Meer trennte den arabisch-indisch-afrikanischen Block von den alten Platten. Im Tethys, wie auch in den anderen Ozeanen, setzten sich seit dem Ende des Erdaltertums bis ins Tertiär hinein mächtige Sedimentschichten ab (bestehend aus Tonen, Kalksteinen, Sandsteinen u.a.). Nach der Hebung des arabisch-indisch-afrikanischen Blocks verblieb von diesem „Ur-Meer“ nur noch das Mittelmeer sowie seine östlichen Ausläufer (Schwarzes Meer, Kaspisches Meer, Aralsee). Nachdem sich die Kontinente nach Norden verschoben hatten, zerfielen und wölbten sich diese alten Blöcke. Die Sedimente (samt Sockel) des alten Tethys-Ozeans wurden zwischen diesen Platten gefaltet und bilden heute die großen Himalaya-Ketten des Pamir, des Hindukusch, des Karakorum und des Tienschan.

Solche Bereiche des alten Sockels, die nicht zusammengeschoben worden sind, verblieben als weitestgehend waagerechte Sedimentschichten – diese Hochebenen sind z.B. die Regionen Ust-Urt, Kara-Kum und Kysylkum.

Nach dem Oligozän gab es das Sarmatische Meer, welches sich vom Mittelmeer über das Schwarze und Kaspische Meer bishin zur mittelasiatischen Senke erstreckte. An seinen Uferlinien setzten sich Sedimente fluvialer Abstammung ab, die von den Wasserläufen aus den angrenzenden Gebirge dorthin abgelagert worden sind. Diese Flüsse bildeten die Vorläufer der heutigen und trugen natürlich auch schon zur Erosion der Berge bei, die auch nicht älter als die Alpen sind. Die sarmatischen Sedimente des früheren Meeres bestehen weitestgehend aus Ton, Sand, Sandstein, Konglomeraten und Kalk. Nach weiteren Hebungen, vorzugsweise an den alten Verwerfungen (jüngere Gebiete und die Deckplatte des Tertiärs), verblieb nur noch ein kleiner Teil des Meers im südlichen Turan - der Norden hob sich dagegen heraus.

Zur Zeit des Pliozäns (4-6 Mio. Jahre) kam das Meer nochmals zurück, erreichte aber nicht mehr die Ausmaße des Sarmatischen Meers. Hier wurde u.a. die Grenze zwischen der Hochebene Ust-Urt und der Wüste Kara-Kum sowie der Ungus (ein funktionsloses Tal inmitten der Wüste) geschaffen. Die tektonischen Bewegungen während des Pliozäns schufen vor drei bis fünf Mio. Jahren neben vielen kleinen Senken auch das Aralbecken. Das Einzugsgebiet des Aralsees und Sary-Kamysch-Sees entspricht daher einem Teil des eingesunkenen Sockels. Diese Zone wird als Chiwa-Bereich bezeichnet. Der ursprüngliche Sockel befindet sich zwei Meter unterhalb des Aralsees und wird mit Material des Mesozoikum und Alttertiärs bedeckt. Durch die später einsetzende alpine Faltung wurden unterhalb der Flußdeltas sowie unter dem Material des Sees Ölfallen geschaffen.

Die unterschiedlichen Hebungen änderten auch den allgemeinen Verlauf der „Urflüsse“. Es wird angenommen, daß der Paläo-Oxus (Amu-Darja) sich vor ca. 150000 Jahren dem Aralsee zuwandt.

Die heutigen Windsysteme herrschten auch schon in dieser Zeit vor, so daß auch schon das winterliche sibirische Hochdruckgebiete existierte. Das Klima muß daher auch schon damals arid gewesen sein. Die großen, im Himalaya entspringenden Flüsse brachten, wie jetzt auch der Amu-Darja und Syr-Darja, gewaltige Mengen an Schmemmaterial mit, welches sich als Dünenmaterial anhäufte. Die Feinkornfraktion dieser Sedimente wurde durch den Wind „herausgesiebt“ und bildeten zusammen mit dem entstehenden Humus die fruchtbaren Lößböden.

Während des Quartärs (vor 4 Mio. Jahren) begannen die großflächigen Vereisungen. Wechselnde Perioden zwischen Warm- und Kaltzeiten spiegeln sich u.a. in den Ablagerungen der Gebirgsmulden des Ferganatals und in den Tälern von Taschkent wider. Das Kaspische Meer trat mit ziemlicher Sicherheit in dieser Zeitperiode zweimal über die Ufer und überschwemmte die Aralsee-Senke über das Usboi-Tal (vermutlich zwischen 8000 und 15000 Jahren v.u.Z.). Neben den verbliebenen maritimen Sedimenten, hinterließen die Vorstöße die heute charakteristische Tier- und Pflanzenwelt im und am Aralsee. Zwischen den Überschwemmungen des Kaspischen Meeres gelang durch die Eisabschmelzungen wahrscheinlich viel Süßwasser in die Senke, und das noch bevor sich das aride Klima erneut einstellte und sich sowohl der Aralsee wie auch das Kaspische Meer absenkte.

Quelle: Létolle und Mainguet

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Stand: 09.10.02